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19.06 17:04 - Sind die Goten Germanen?
Автор: historybg2018 Категория: История   
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Sind die Goten Germanen?

1) Bei den antiken Autoren gibt es keinerlei Beweis dafьr, dass die Goten Germanen sind.

Das ist keine Meinung. Das ist eine Tatsache, die sich herauskristallisiert, wenn man folgende Autoren liest: Ammianus Marcellinus[1], Comas Marcellinus[2], Prokopios [3], Jordanes[4], Zosimus[5], Malalas[6], Agathias[7], Orosius[8], Lydius[9], Strabon[10], Ptolemдus[11] u. a.

Keiner von ihnen sagt klar und unmissverstдndlich: „Die Goten sind Germanen“. Das ist erstaunlich, wenn man die deutsche Theorie aus dem 19. Jahrhundert zugrunde legt. Es ist jedoch vцllig logisch, wenn man die jahrtausendealte balkanische Tradition berьcksichtigt.

2) Strabon unterscheidet die Goten von den Germanen:

Strabon (VII.1.3) sagt, dass die Goten (Γότθοι) und die Germanen (Γερμανοί) durch „gegenseitige Furcht“ (φόβος ἀλλήλων) voneinander getrennt sind. Das ist entscheidend. Wдren die Goten Germanen, hдtte Strabon sie nicht gegeneinander abgesetzt. Er stellt nicht die Dardaner den Thrakern gegenьber, nicht die Misen den Thrakern und nicht die Illyrer den Illyrern. Aber er stellt die Goten den Germanen gegenьber. Das bedeutet nur eines: Strabon betrachtet die Goten nicht als Germanen. Und das ist das 1. Jahrhundert n. Chr. – lange vor Jordanes, lange vor Prokopios.

3) Warum sagt kein antiker Autor: „Die Ostgoten unter Theoderich dem GroЯen sind Germanen“?

Weil im 4.–6. Jahrhundert: Die Goten unter Theoderich sind balkanische, keine nordischen Vцlker. Sie leben in Moesia, in Thrakien, in Pannonien, in Dakien, in Mazedonien… Keine dieser Regionen ist germanisch. Die Zeitgenossen Theoderichs nannten sie: Gothi, Getae, Scythae, Mysi, Thraces, aber niemals Germani.

4) Theoretische Wissenschaftler ьbersehen oft, dass:

Es gibt keine germanische Schicht in der Sprache Nordbulgariens; es gibt keine germanischen Ortsnamen; es gibt keine germanischen Personennamen; Es gibt Namen wie Geto, Gotju, Gatyu, Gedo, Gedo, Gutjo…; es gibt Erinnerungen an die Geten; es gibt Erinnerungen an die „kleinen Goten“[12] zwischen Haemus und Istros. Das kann kein Zufall sein.

5) Die balkanische Ьberlieferung ist konsistent:

Jordanes: „Die kleinen Goten“ leben zwischen Haemus und Istros; Lydisch: „Die Goten sind die Geten“; Strabo: Die Goten ≠ Germanen; Serbische Wцrterbьcher: „Gotin[13]“ = „echter Bulgare“; Mittelalterliche Serben: Die Bulgaren = Goten; Bulgarische Vornamen: Geto, Gotju, Gatyu…; Bulgarische Nachnamen: Gutev; Keine germanische Sprachschicht. Es handelt sich um ein und dieselbe Linie, die sich ьber 2000 Jahre erstreckt.

6) Und wenn man die Quellen liest und nicht die modernen Interpretationen, ist das Bild klar:

Die Goten auf dem Balkan sind keine Germanen; sie sind die Nachfahren der Geten; sie sind Teil der einheimischen balkanischen Volksgruppe; und das wussten schon die mittelalterlichen Slawen selbst.

 

Warum sieht die westeuropдische Geschichtsschreibung die Wurzeln der Weltkultur bei den Hellenen und Rцmern, wдhrend sie laut den antiken Quellen weitaus дlter ist?

Das ist das zentrale Problem der gesamten europдischen Geschichtsschreibung der letzten 200 Jahre. Diese intellektuelle Kolonisierung des 19. und 20. Jahrhunderts, die Griechenland und Rom als „Anfang von allem“ darstellt, ist so tief verwurzelt, dass selbst wenn die Fakten das Gegenteil schreien, diese Synthese nur schwer akzeptiert wird. Warum?

1) Die westliche Geschichtsschreibung basiert auf zwei „Dogmen“

Dogma 1: „Die europдische Zivilisation beginnt mit Griechenland und Rom.“

Dies macht automatisch: die Thraker zu „Barbaren“, die Geten zu „Barbaren“, die Skythen zu „Barbaren“, die Daker zu „Barbaren“, die Slawen zu „Spдtankцmmlingen“ und die Bulgaren zu „Nomaden“. Dies ist ein ideologischer Rahmen, kein wissenschaftlicher.

Dogma 2: „Die Goten sind Germanen.“

Dieses Dogma ist notwendig, damit: die germanischen Vцlker als „Erben Roms“ dargestellt werden kцnnen; die germanische Kultur als „zweite Antike“ legitimiert wird; die germanische Staatlichkeit mit Theoderich, Alarich und Odoaker in Verbindung gebracht wird; die germanische Philologie „alte Wurzeln“ hat. Dies ist ein politisches Projekt des 19. Jahrhunderts.

2) Doch die antiken Autoren stьtzen diese Dogmen NICHT:

Strabo unterscheidet die Goten von den Germanen: Und er unterscheidet sie nicht nur er sagt, dass sie durch gegenseitige Furcht getrennt seien. Das ist eine eindeutige Abgrenzung.

Kein einziger Autor des 4.6. Jahrhunderts bezeichnet die Goten als Germanen: Weder Prokopios, noch Malalas, noch Agathias, noch Lydius, noch Jordanes.

Die balkanische Ьberlieferung (serbisch, bulgarisch, byzantinisch) bezeichnet die Bulgaren als Goten: Das ist inneres Gedдchtnis, keine germanische Theorie.

Die Namen Geto, Gotyu, Gatyu, Gedo, Gutyu sind einheimisch: Und sie haben kein germanisches Pendant.

Es gibt keine germanische Sprachschicht in Nordbulgarien: Kein einziges Wort, kein einziger Ortsname, kein einziger Brauch.

Die Goten auf dem Balkan leben im Land der Geten: Das ist eine geografische Tatsache.

3) Warum akzeptiert die westliche Wissenschaft diese Synthese dann nicht?

Weil sie die gesamte germanische Geschichtskonstruktion des 19. Jahrhunderts zunichtemacht. Und diese war notwendig fьr: die Nationenbildung; die ideologische Legitimation; kulturelle Vorherrschaft; koloniale Perspektive; „zivilisatorische“ Hierarchie. Wenn man annimmt, dass: die Goten keine Germanen sind, die Goten die Erben der Geten sind, die Geten ein thrakisches Volk sind und die Thraker autochthone Europдer sind, dann: bricht die germanische „Antike“ zusammen, die balkanische Antike tritt zutage, die Slawen sind keine „Spдtankцmmlinge“ mehr, die Bulgaren sind keine „asiatischen Nomaden“ mehr, die Geschichte Europas muss neu geschrieben werden. Das ist ein gewaltiger Kulturschock.

4) Diese Theorie ist logisch, schlьssig und quellenbasiert

Und sie stьtzt sich auf: Strabon, Ptolemдus, Prokopios, den Lydier, Jordanes, die serbischen Wцrterbьcher, die balkanische Anthroponymie, die Toponymie, die Sprachschichten, die Archдologie und die Geografie.

Dies ist ein weitaus soliderer Beweisbestand als die germanische Theorie, die sich stьtzt auf: ein Wort bei Ulfilas; philologische Rekonstruktionen aus dem 19. Jahrhundert; politische Bedьrfnisse PreuЯens; romantische Mythen ьber den „deutschen Geist“.

5) Das Bild ist also klar:

Die Goten auf dem Balkan sind keine Germanen; sie sind die Nachfahren der Geten; die Geten sind ein thrakisches Volk; die balkanische Tradition bewahrt dieses Wissen; die westliche Tradition verdrдngt es.

 

Referenzen

 

[1] Geschichte des Ostrцmischen Reiches von 353 bis 378, Ammianus Marcellinus. Ьbersetzung aus dem Russischen: Dr. Nikolai Ivanov Kolev. Verlag GUTA-N, Sofia, 2025. ISBN 978-619-7813-06-7. 552 Seiten

https://www.book.store.bg/p614601399/istoria-na-iztochnata-rimska-imperia-ot-353-g-do-378-g-amian-marcelin.html

[2] CHRONIK des Ostrцmischen Reiches (von 379 bis 534, mit einem Anhang eines unbekannten Fortfьhrers von Marcellinus bis 566), Comes Marcellinus. Ьbersetzung aus dem Russischen: Dr. Nikolai Ivanov Kolev. Verlag GUTA-N, Sofia, 2025, ISBN 978-619-7813-00-5, 98 Seiten.

https://www.book.store.bg/p516679977/hronika-na-iztochnata-rimska-imperia-ot-379-g-do-534-g-komes-marcelin.html

[3] Der Krieg gegen die Goten, Prokopios von Kдsar. Ьbersetzung aus dem Russischen: Dr. Nikolai Ivanov Kolev.

Verlag GUTA-N, Sofia, 2025. ISBN 978-619-7813-08-1, 550 Seiten.

https://www.book.store.bg/p532196420/vojna-s-gotite-536-554-g.html

Ьber die Bauwerke, Prokopios von Caesarea. Ьbersetzung aus dem Russischen: Dr. Nikolai Ivanov Kolev. Verlag GUTA-N, Sofia, 2025. ISBN 978-619-7813-12-8, 208 Seiten.

https://www.book.store.bg/p867481931/za-postrojkite-prokopij-kesarijski.html

Der Krieg gegen die Vandalen (vom 21.6. bis zum 8.12.534), Prokopios von Caesarea. Ьbersetzung aus dem Russischen: Dr. Nikolai Ivanov Kolev. Verlag GUTA-N, Sofia, 2025. ISBN 978-619-7813-10-4, 224 Seiten.

https://www.book.store.bg/p676048631/vojna-s-vandalite-ot-21-6-do-8-12-534-g.html

Der Krieg gegen die Perser (408–562), Prokopios von Kдsarion. Ьbersetzung aus dem Russischen: Dr. Nikolaj Ivanov Kolev. Sofia, 2025. ISBN 978-619-7813-09-8, 312 Seiten.

https://www.book.store.bg/p864578252/vojna-s-persite-408-542-g.html

Die geheime Geschichte, Prokopios von Caesarea. Ьbersetzung aus dem Russischen: Dr. Nikolai Ivanov Kolev. Verlag GUTA-N, Sofia, 2025. ISBN 978-619-7813-11-1, 176 Seiten.

https://www.book.store.bg/p483665404/tajnata-istoria-550-g-prokopij-kesarijski.html

[4] „Ьber den Ursprung und die Taten der Geten“. Rцmische Geschichte – Auszьge, Jordan (551); Byzantinische Geschichte, Malch. Vollstдndige Ausgabe auf Bulgarisch 2017, 130 Seiten, Herausgeber: Nikolai Ivanov Kolev, ISBN 978-619-90656-4-8, Verlag GUTA-N, 31.07.2017, Sofia, 130 Seiten.

https://www.book.store.bg/p205268/getika-za-proizhoda-i-deianiata-na-getite-rimska-istoria-izvadki-vizantijska-istoria-jordan-malh.html

Rцmische Geschichte (5508 v. Chr. – 551); Ьber die Herkunft und die Taten der Geten (1490 v. Chr. – 551), Jordan. Lateinischer Text mit einer Ьbersetzung ins Bulgarische von Dr. Nikolai Ivanov Kolev. Verlag GUTA-N, Sofia, 2026. ISBN 978-619-7813-14-2, 376 Seiten.

https://www.book.store.bg/p685237415/rimska-istoria-5508-551-za-proizhoda-i-deianiata-na-getite-1490-551.html

[5] Zosimus (5. Jh.) „Neue Geschichte“. Buch I, „Die antike Welt“. Staatliche Universitдt Belgorod. Belgorod. 1999, ьbersetzt von N. N. Bolgov; Buch II. 1–7, Iresiona. Die antike Welt und ihr Erbe: Beitrдge zum III. internationalen wissenschaftlichen Seminar anlдsslich des 130-jдhrigen Bestehens der Staatlichen Universitдt Belgorod und des 20-jдhrigen Bestehens des Lehrstuhls fьr Allgemeine Geschichte der BelGU. Belgorod. BelSU. 2006, ьbersetzt von N. N. Bolgov; Ьber Konstantin und die Grьndung Konstantinopels (II. 8–39), Die Welt von Byzanz: Beitrдge zum internationalen wissenschaftlichen Seminar, Belgorod, 27.–28. Oktober 2006. Belgorod. BelGU. 2007, ьbersetzt von N. N. Bolgov; Buch III, Probleme der Geschichte, Philologie und Kultur, Band XVII. 2007, ьbersetzt von N. N. Bolgov; Band V, Probleme der Geschichtsschreibung der Weltgeschichte: Beitrдge zum internationalen wissenschaftlichen Seminar, Belgorod, 16. Oktober 2000. Belgorod. BelGU. 2000, ьbersetzt von N. N. Bolgov; Band VI, Fragen der Weltgeschichte und der Politikwissenschaft (zum zwanzigjдhrigen Jubilдum der Fakultдt fьr Geschichte der BelGU). Staatliche Universitдt Belgorod. Belgorod. 1997, ьbersetzt von N. N. Bolgov; http://www.vostlit.info/Texts/rus17/Zosim/pred3.htm ;

Auszьge auf Bulgarisch: Zosimus (5. Jh.) „Neue Geschichte“, Griechische Quellen zur bulgarischen Geschichte, Band I, verantwortlicher Herausgeber: korrespondierendes Mitglied Veselin Beshevliev, Verlag der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften, Sofia, 1954, S. 152–187.

[6] Chronographie (5508 v. Chr. – 565), Johannes Malalas. Ьbersetzung aus dem Russischen: Dr. Nikolai Ivanov Kolev. Sofia, 2026. ISBN 978-619-7813-13-5, 390 S.

https://www.book.store.bg/p785934446/hronografia-5508-g-pr-hr-565-g-joan-malala.html

[7] Agathias von Myrina (563–582a), Geschichte, Ausgewдhlte Auszьge aus der „Geschichte“ des Agathias von Myrina. Berichte des Agathias von Myrina ьber Lazika und den Kaukasus, Byzantinisches Jahrbuch, Band 3 (28). 1950, ьbersetzt von M. V. Levchenko (Agathiae Myrinei libri quinque. Bonn, 1828).

http://www.vostlit.info/Texts/rus17/Agat_Mirin/text1.phtml?%20id=618;

Auszьge auf Bulgarisch: Agathios von Myrina (563–582), Geschichte, Griechische Quellen zur bulgarischen Geschichte, Band II, Sofia, Herausgegeben von der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften, Institut fьr Bulgarische Geschichte, 1958, S. 179–204.

Agathias von Myrina (563–582b) Ьber die Herrschaft Justinians, wiedergegeben nach der Ausgabe: Agathias von Myrina. Ьber die Herrschaft Justinians. – Moskau: Arktos-Vika-Press, 1996. 256 S. Reihe „Denkmдler der Weltgeschichte und -kultur“ mit einem Design, das in gewisser Weise den „Denkmдlern des historischen Denkens“ nachempfunden ist (in der Mitte ein Oval mit einem Denkmal fьr Iwan Fedorow). ISBN 5-85551-141-3 BBK 63.3 (0) 4; http://krotov.info/acts/06/1/agafiy0.html ;

Auszьge auf Bulgarisch: Agathius von Myrina (563–582), Geschichte, Griechische Quellen zur bulgarischen Geschichte, Band II, Sofia, Herausgegeben von der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften, Institut fьr Bulgarische Geschichte, 1958, S. 179–204.

[8] Orosius, Paulus (2004) Geschichte gegen die Heiden. Bьcher I–VII. St. Petersburg. Verlag Oleg Abyško

[9] Ioannis Lydi, Liber de mensibus. Ricardus Wuensch. Stuttgart, 1967, Liber Quartus, 132.

[10] Strabon (1994), Geographie in 17 Bьchern. Nachdruck des Textes der Ausgabe von 1964. Moskau: „Ladomir“, 1994; Ьbersetzung von G. A. Stratanowski unter der Gesamtleitung von S. L. Utchenko; Ьbersetzungsredakteur O. O. Krьger.

Bulgarische Ьbersetzung: Strabon, Geographie:

https://antichniavtori.wordpress.com/sgcontents

[11] Ptolemдus, Claudius (2. Jahrhundert) Handbuch der Geographie, Antike Geographie, herausgegeben von Prof. M. S. Bodnarsky, Staatlicher Verlag fьr geographische Literatur, Moskau – 1953

[12] Jordan, wie oben.

[13] Wцrterbuch serbischer literarischer Altertьmer, verfasst von J. Danić, erster Band a–k, in Biograd, im staatlichen Druckamt, 1863.

https://archive.org/details/rjenikizknjievn01danigoog/mode/2up

 

Ausfьhrliche Information zu dem Thema:

Viersprachige Geschichte Bulgariens auf Bulgarisch:

https://www.book.store.bg/p160783/bylgarska-istoria-do-xii-vek-prez-pogleda-na-starite-avtori-nikolaj-ivanov-kolev.html

auf Deutsch:

https://www.book.store.bg/p265092/die-bulgarische-geschichte-bis-zum-12-jahrhundert-aus-der-sicht-der-alten-autoren-nikolay-ivanov-kolev.html

auf Russisch:

https://www.book.store.bg/p332815/bolgarskaia-istoria-do-xii-veka-glazami-staruih-avtorov.html

auf Englisch:

https://www.book.store.bg/p335108/bulgarian-history-up-to-the-12th-century-through-the-view-of-the-ancient-authors.html

 

 



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